Anmerkung des Herausgebers: Im August 2006 veröffentlichte George Colony, Chairman und CEO von Forrester, auf Forrester.com eine Kolumne mit dem Titel „My View: I.T. to B.T.“. In dieser vertrat Colony die Ansicht, dass die Informationstechnologie für Unternehmen mittlerweile so wichtig ist, dass IT und Unternehmen eins sind. HP teilt diese Meinung. Mit freundlicher Genehmigung von George Colony geben wir seine Kolumne hier wieder.
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Der Einsatz von Computern in großen Unternehmen wurde früher als „Datenverarbeitung“ (DV) bezeichnet. Diese Bezeichnung passte auf die Großrechner, die Berge von grünem Endlospapier mit Zahlenkolonnen ausspuckten.
Als Anfang der 80er Jahre Textverarbeitungsprogramme, Personal-Computer, Minicomputer und andere Neuerungen aufkamen, wurde der Begriff „Datenverarbeitung“ durch „Managementinformationssysteme“ (MIS) abgelöst.
Anfang der 90er Jahre wurde dann „Informationstechnologie“ (IT) zum Modebegriff. Er vermittelte nichts von der rasanten Verbreitung von Internet, Mobilgeräten, Handys, E-Mail und E-Commerce, für deren Verwaltung die Computerfachleuchte zuständig sind, doch er hat sich durchgesetzt.
In den Zeiten von DV, MIS und IT dienten Computer in Unternehmen der Verfolgung der Geschäftsabläufe. Sie erlaubten eine Rückschau (z. B. auf Finanz- oder Vertriebsdaten), wurden jedoch nicht aktiv im operativen Geschäftsbetrieb, also bei der Produktentwicklung, im Vertrieb, in der Fertigung oder für Kundenkontakte eingesetzt.
Seit der Entstehung des Internets sind alle Unternehmen und Kunden miteinander verbunden. Die IT ist aus kaum einem Geschäftsbereich mehr wegzudenken. Sie sind anderer Meinung? Dann machen Sie einmal den Kreischtest: Gehen Sie durch Ihre Firma und ziehen Sie alle Stecker heraus. Legen Sie alles lahm. Sie werden die Panikschreie der Mitarbeiter hören, die nicht mehr arbeiten können. Ich wette, Ihr Unternehmen verliert Millionen von Euro in jeder Stunde ohne IT. In einer Branche wie Goldman Sachs oder die Barclays Bank werden Sie in einer Stunde sogar mehrere hundert Millionen verlieren.
Und hier kommt die Pointe: „IT“ ist keine passende Bezeichnung mehr für die Technik der Branche und ihren Betrieb. Ich schlage vor, dass wir stattdessen den Begriff „Business Technologie“, kurz „BT“, verwenden. Er zeigt, dass Business und Technologie eins sind.
Na und? Warum verschwende ich meine und Ihre Zeit mit Wortklaubereien? Weil sich die Aufgabe verändert hat und es an der Zeit ist, dieser Tatsache ins Auge zu sehen. Neue Aufgabe, neue Erwartungen, neuer Name.
Als IT-Leiter sind Sie gerade einmal ein besserer Bibliothekar, der Informationen verteilt. Als BT-Leiter dagegen stehen Sie auf gleicher Stufe mit den anderen Führungskräften im Unternehmen. Sie verbessern Prozesse und erschließen neue Einnahmequellen. Sie setzen Technologie ein, um Geschäftsergebnisse zu erzielen, nicht um Informationen von fraglichem Wert zu erzeugen.
Als BT-Zuständige sind die Computerfachleuchte gezwungen, über Prozesse, Kunden und betriebliche Abläufe zu diskutieren - ohne kryptische Begriffe wie serviceorientierte Architektur, Web-Services und Speichermanagement. CEO und Führungsteam erkennen dann, dass die BT-Funktion ein ernsthafter Partner bei der Steigerung von Umsatz, Gewinn und Marktanteil ist.
Wie soll der CIO heißen, wenn IT zu BT wird? Vergessen Sie „Information”: Aus dem „Chief Information Officer“ wird der „Chief Business Technologist”. Wie passt die Bezeichnung „BT“ zu Behörden? Vielleicht bekommt man Argumente zu hören wie: „Ja, ich finde das gut, aber ich arbeite bei der Stadtverwaltung, und das hat mit Business nichts zu tun.“ Laut dictionary.com ist das englische Wort „business“ jedoch als „bestimmte Beschäftigung oder Vorhaben“ definiert. Das „Business“ des amerikanischen Internal Revenue Service ist es, Steuern einzuziehen, und das kann diese Behörde mit Hilfe von Business Technologie effizienter tun.
Zusammengefasst: In großen Unternehmen heißt der Geschäftsbereich für die Verwaltung von Computern und Netzwerken jetzt „Business Technologie“. Die Branche wird in „BT“ umbenannt. Und die Geräte (Computer, Speicher, Software, Netzwerke usw.) werden als „BT-Systeme“ bezeichnet, zum Beispiel: „Unser Unternehmen verfügt über sehr gute BT-Systeme.”
Ab sofort werde ich überall für die Ablösung von IT durch BT plädieren. Ich würde mich freuen, wenn Sie mein Vorhaben unterstützen.
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